Wie alles begann… oder warum wir hier oben nicht wegen der schönen Aussicht leben

Hallo, ich bin Marlin, die Schwester von Milo. Wenn du noch nicht weißt, wer wir sind, dann schau doch mal hier. Du möchtest wissen, wo wir leben? Das erklären wir dir da.

Doch warum leben wir zwei überhaupt auf diesem Hügel über dem Örtchen Agios Nikitas? Dort wo wir das Meer lediglich aus der Ferne hören und wir die leckeren Essensgerüche vom Dorf nur bei besten Windbedingungen riechen können. Wo zwischen den knorrigen Olivenbäumen und schmalen Zypressen ganz allein unser ruhiges Häuschen steht. Und wo sich ansonsten keine anderen Katzen mehr hin verirren. (Außer Zorro, der Streuner. Aber wie der da rauf kam, erzählt euch der Vielschwätzer sicherlich selbst gerne mal).

An Details können Milo und ich uns gar nicht mehr erinnern, wir waren ja noch ganz klein bzw. noch gar nicht auf der Welt. Aber zum Glück gibt es ja Zorro. Der hatte uns schon als Babys gekannt und unsere Mama sogar bereits, als wir noch in ihrem Bauch waren. Und auch wenn Zorro viele Geschichten erzählt und auch mal gerne ein bisschen übertreibt, so bin ich mir doch sicher, dass er hier die Wahrheit spricht.

Wer war unsere Mama?

Milo und ich, wir wurden bereits hier oben geboren, direkt im hohen Gras hinter dem Haus, bei dem wir jetzt wohnen. Unsere Mama war eine sogenannte Gastkatze, also eine Katze, die mit ihrem Besitzer hier auf Urlaub in unserer Villa war. Dass sie uns Babys im Bauch hatte, das wusste der Typ wohl nicht. Jedenfalls war er alles andere als begeistert, als Mama plötzlich mit uns zwei kleinen Fellknäuel im Maul daherkam. Er war sogar so dreist, dass er sie mit uns einfach hier zurückließ, als er ein paar Tage später wieder zurück in seine Heimat reiste.

So begann also unser Leben hier bei diesem griechischen Ferienhaus. Meistens vor oder neben dem Gebäude, bei katzenfreundlichen Bewohnern gar nicht so selten auch drinnen im Haus. Langweilig wurde uns so also nie. Auch Zorro tauchte ziemlich regelmäßig immer mal auf, hielt sich vor den Menschen aber stets gut versteckt. Er zeigte uns die wildesten Dinge und lehrte uns ziemlich viel Blödsinn. Dabei achtete er aber genau darauf, dass Mama es nicht mitbekam. „Überrascht“ lauschte er dann ihren Erzählungen, was wir zwei schon wieder angestellt hätten. Zorro behauptet, wir hätten ihn halt so amüsiert. Ich kann mir aber durchaus vorstellen, dass er in Wirklichkeit unsere Mama ziemlich hübsch fand. Zugeben würde der Sturkopf das aber bestimmt niemals.

Sie war ja echt eine Süße und für uns eine so liebevolle und fürsorgliche Mutter. Sie hatte sich stets bestens um Milo und mich gekümmert und uns die fettesten Stücke ihrer Beute überlassen. Zusätzlich wurden wir auch von den meisten Urlaubern im Haus so richtig verwöhnt. Wir hatten ein wunderbares Leben hier und es hätte für immer so weiter gehen können. Was es, wie ihr wohl ahnt, leider nicht tat.

Ein Abschied ohne Wiedersehen

Es war an einem Abend im April, unser erster Geburtstag stand kurz bevor. Mama verabschiedete sich, um auf ihren täglichen Mäusejagdgang aufzubrechen. Erwartungsvoll und mit großem Hunger warteten wir in der Früh auf ihre Rückkehr und die mitgebrachte Beute. Doch sie kam nicht. Auch später nicht. Sie kam nie mehr zurück. 

Wir waren unendlich traurig. Und das schlimmste für uns war, dass wir uns gar nie richtig von unserer Mama verabschieden konnten und auch nie erfahren haben, was mit ihr passiert ist. Wahrscheinlich ist sie im steilen Gelände oberhalb des Hauses, wo es die dicken Wühlmäuse gab, abgerutscht und in die Tiefe gestürzt. Einfach so hätte sie uns bestimmt nie verlassen.

Zorro als treuer Begleiter in der Not

Wir waren wirklich verzweifelt und vor allem Milo zog sich immer mehr zurück. Er hatte zu nichts mehr Lust und verweigerte das Fressen, nicht mal mehr die Leckereien der im Haus wohnenden Urlauber nahm er an. Zum Glück hatten wir Zorro, der uns bei stand und uns mit seinen Geschichten abzulenken wusste. Außerdem nutzte er die Gelegenheit, in die Rolle des Oberlehrers zu schlüpfen und führte einen ziemlich strengen Unterricht im Beutefangen ein.

Auf in die Zukunft

Inzwischen ist ein Jahr vergangen. Manchmal vermissen wir Mama immer noch sehr, aber wir schaffen es nun, uns an die schönen Dinge zu erinnern und blicken erwartungsvoll in die Zukunft.  Nach einem harten Winter (ohne Gäste) steht nun die neue Saison kurz bevor. Mit Spannung erwarten wir schon die neuen Bewohner und die damit verbundenen Erlebnisse. Und noch mehr freuen wir uns nun darauf, euch nun auch davon berichten zu können.

Eure Marlin