Unser Haus

Wir beide wohnen in einem griechischen Haus, hoch oben am Berg, über dem Dorf Agios Nikitas. Unser Haus ist aber nicht irgendeine Hütte, sondern eine richtige Villa, eine sogenannte Ferienvilla. Genau genommen gehört das Haus gar nicht uns, sondern einem braungebrannten schnöseligen Typen namens Geórgios, aber der lässt sich eh nur höchstens 1 mal im Jahr mit seinem roten Sportflitzer blicken. Und außerdem wurden wir zwei hier schon geboren, da sollte ein lebenslanges Wohnrecht für uns beide wohl drinnen sein.

Das besondere an einer Ferienvilla ist ja, dass sie vermietet wird. Und das nicht 1 oder 2 mal im Jahr sondern im Idealfall häufig. Denn umso mehr Urlauber mieten, umso mehr Geld kommt für den Besitzer rein. Die Sache läuft offensichtlich sehr gut, sonst hätte Geórgios nicht seinen Flitzer und wir nicht immer neue „Besitzer„. Zumindest in der sogenannten Saison – da ist es so.

Gute Zeiten, schlechte Zeiten… oder warum wir die Saison so lieben

Anders als bei anderen gibt es für uns eigentlich nur zwei Jahreszeiten: Die Saison und die Nicht-Saison. Und schon schnell lernten wir den Unterschied der beiden kennen.

In der sogenannten Saison, das ist die Zeit zwischen Mitte April und Ende Oktober, da haben wir unsere guten Zeiten. Da wird unsere Villa vermietet und im Wochen- oder 2 Wochen-Rhythmus kommen immer neue Urlauber ins Haus. Da erleben wir die spannendsten Sachen, da werden wir oft verwöhnt und auch gefüttert. Die restlichen fünf Monate ist es hier dann sehr ruhig. Und einsam. Und richtig ungemütlich. Denn in der Zeit kommen wir beide natürlich gar nie in unser Haus. Wir müssen also draußen leben, als wären wir Straßenkatzen und hätten kein Dach über den Kopf. Und das genau zur Winterzeit.

Wiedersehen mit Amalia

Ihr könnt euch also vorstellen, wir wir uns freuen, wenn ab April endlich langsam Leben in die Bude kommt. Bevor ab Mitte des Monats die ersten Urlauber kommen, ist nämlich noch einiges zu tun. Da kommt der Gärtner, um die Hecke zu schneiden und der Handwerker, um Kleinigkeiten zu reparieren. Schließlich ist noch Großreinigung angesagt. Und so haben wir nach der Winterpause auch ein Wiedersehen mit Amalia, unserer Putzfee. Spätestens dann schaffen wir es, ins Haus zu flitzen, um uns, zum Ärger von Amalia, unter der geliebten Couch zu verstecken, oder mit den lustigen Knoten in den Flatter-Vorhängen zu spielen.

Weil der erste Eindruck zählt

Wenn dann kurz darauf Alexandra kommt, dann wissen wir, die schlechten Zeiten sind endgültig vorbei. Alexandra ist von der Vermietungsagentur. Und sie kommt immer dann, wenn neue Mieter einziehen, um sie zu begrüßen und ihnen das Haus zu zeigen. Ihre Ankunft ist also unser Zeichen: wir lecken uns gründlichst sauber, setzen unser unschuldigstes und süßesten Gesicht auf und drapieren uns beide unterm Rosmaringewächs gleich neben der Haustüre. Schließlich zählt der erste Eindruck!