Was für eine Woche!

Hallo Leute!

Oh Mann, das war eine aufregende Woche. Es fing schon bei der Ankunft der neuen Gäste an. Milo und ich hatten uns schön gemacht und uns voller Erwartung unterm Rosmarinstrauch zusammengekuschelt. Wir wollten ja einen entzückenden Eindruck hinterlassen. Ach, wie freuten wir uns, als das Auto endlich kam. Gespannt spähten wir auf die neuen Urlauber, unsere potenziellen Streichler und Fütterer. Und es sah tatsächlich ziemlich vielversprechend für uns aus: Eine nett wirkende Frau mit einem Mädchen, etwa 10 Jahre alt, stiegen aus. Juhu! Wer Kinder hat, der wird auch Katzen mögen. Davon waren wir überzeugt. Denn immerhin haben wir doch auch ein paar Gemeinsamkeiten: gerne Spielen und ungern Folgen zum Beispiel…

Was für eine Demütigung

Kaum raus dem Auto hatte uns die Kleine schon entdeckt. Mit einem freudigen Lachen rannten sie auf uns beide zu. Sie streckte gerade die Hand nach uns aus, um uns zu streicheln … als sie plötzlich von ihrer Mama unterbrochen wurde. Aufgeregt erklärte ihr diese, dass sie uns auf gar keinen Fall berühren dürfte. Weil es nämlich gefährlich wäre, wilde und dreckige (!) Straßenkatzen zu streicheln. Was für eine Demütigung! Gekränkt zogen wir uns zurück. So hatten wir uns die Begrüßung nicht vorgestellt.

Was für eine Mutter

In den nächsten Tagen hielten wir zwei uns eher im Hintergrund. Von unserem Versteck aus beobachteten wir Mutter und Tochter. Lilli, so der Name des Mädchens, schien ein nettes Kind zu sein. Sie war stets gut gelaunt und lachte viel. Außerdem war sie sehr neugierig und erkundete voller Freude Haus und Garten. Gerne hätten wir uns ihr genähert, aber leider war sie kaum ohne ihrer Mama unterwegs. Diese schwirrte nämlich ständig – vor möglichen Gefahren warnend- hinter ihr her. Uns kam das etwas übertrieben vor und vor allem Lilli schien zunehmend genervt davon zu sein.

Was für eine blöde Idee

Dass wir mit dieser, unserer Vermutung recht hatten, zeigte sich schließlich vorgestern auf erschreckende Art und Weise. Es war Nacht. Milo und ich machten es uns gerade unerlaubterweise auf den Gartenmöbeln gemütlich, (um die Zeit würde uns hier sowieso keiner bemerken), als wir plötzlich ein leises Quietschen hörten. Gebannt sahen wir zur Terrassentüre, die sich ganz langsam öffnete. Auf Zehenspitzen kam Lilli raus geschlichen. Juhu! Endlich konnte sie uns streicheln. Wir waren ehrlich beeindruckt: Sie war offenbar eigens wegen uns aus dem warmen Bett gekrochen. Doch dann erwähnte Lilli beiläufig, dass sie sich jetzt auf den Weg machen werde, um die Gegend hinter unserem Haus, weiter oben am Berg, zu erkunden und Spannendes zu entdecken. Ihre Mama habe ihr das natürlich strengstens verboten, weshalb sie sich jetzt auch heimlich auf den Weg mache.

Was für ein Schock

Milo und ich waren schockiert, das zu hören. Weiter oben hinter dem Haus – genau hier ist doch der gefährliche Graben. Dort, wo auch unsere Mama damals tödlich verunglückt ist. Und jetzt war es mitten in der Nacht, also stockdunkel dort und sowieso viel zu gefährlich, vor allem für ein Kind! Sofort versuchten wir Lilli zu warnen, ihr diese dumme Idee auszureden. Aber sie schien uns einfach nicht zu verstehen… Nur mit einer einfachen Taschenlampe bewaffnet öffnete sie das Gartentor und stapfte trotzig in die Dunkelheit. Wie gelähmt sahen wir ihr nach. Der Schein ihrer Lampe war schon bald nicht mehr zu sehen. Wir beide zitterten vor Aufregung. Zudem spürten wir sie wieder ganz deutlich, die Trauer um unsere Mama. Ach wäre sie doch jetzt hier. Sie wüsste bestimmt, was zu tun wäre.

Was für ein guter Plan

Schlagartig wurde uns klar: Wir mussten was unternehmen. Und zwar sofort! Schnell liefen wir zur Terrassentüre. Hatte Lilli sie vielleicht offen gelassen? Und konnten wir so schnell ins Haus sausen, um ihre Mama zu wecken? Doch leider, die Türe war fest verschlossen. In unserer Not begannen wir vor dem Haus so laut wie möglich zu schreien. Doch so sehr wir uns auch bemühten, Lillis Mutter hörte uns einfach nicht. In meiner Panik dachte ich sogar schon daran, Adamo zu wecken und herauf zu locken. Sein lautes Gebell hätte nämlich garantiert jeden aus den Schlaf gerissen. Zum Glück konnte Milo einen klaren Kopf bewahren. Er hatte eine bessere Idee: Über den knorrigen, alten Olivenbaum könnten wir es mit viel Schwung vielleicht schaffen, auf den kleinen Balkon des Schlafzimmers zu springen. ..

Was für ein Geschrei

Nach ein paar erfolglosen Versuchen gelangten wir schließlich beide auf den Balkon. Wieder begannen wir so laut wie möglich zu schreien. Und tatsächlich: Es dauerte nicht lange und Lillis Mama war hellwach. Und übelst gelaunt. Wir hörten sie bereits durch die geschlossene Balkontür schimpfen. Als sie diese dann öffnete, um nach uns Übeltäter zu sehen, schlüpfte ich sofort hinein und rannte schnell zur geschlossenen Kinderzimmertüre. Ich versuchte der Mama zu erklären, dass Lilli weg sein. Doch leider verstand wohl auch sie nicht wirklich meine Sprache. Denn es dauerte noch etwas, bis die Mutter endlich verstand, dass Lilli nicht mehr in ihrem Zimmer schlief. Als sie darauf hin dann in den Garten stürmte, wartete Milo schon dort draußen auf sie. Laut schreiend lief er in die Richtung, in der wir Lilli vermuteten.

Was für ein Wiedersehen

Voller Sorge verfolgte die Mutter mit ihrem Handylicht meinen Bruder Milo. Immer wieder schrie sie dabei laut nach Lilli. Endlich antwortete eine leise, weinerliche Stimme. Es war Lilli. Die Batterie ihrer Taschenlampe war unterwegs ausgegangen und so verharrte sie verzweifelt und ängstlich hier im Finsteren. Zum Glück blieb sie hier stehen, statt im Stockfinsterem weiter zu stolpern. Erleichtert fielen sich Lilli und ihre Mama in die Arme und auch wir wurden fast zerquetscht vor Freude und Dankbarkeit. So viel Nähe auf einmal das war dann selbst uns fast zuviel…

Was für eine Entschuldigung

Am nächsten Morgen gab es dann noch eine ehrliche Aussprache zwischen Lilli und ihrer Mutter. Beide haben sich ihre Bedürfnisse und Sorgen erklärt und auch die des jeweils anderen verstanden. Sie beschlossen, in Zukunft offener über ihre Gefühle zu sprechen. Und auch bei uns zweien hat sich Lillis Mama dann für ihre verletzende Straßenkatzen-Aussage noch ganz offiziell entschuldigt: Mit einer großen Schale Milch und leckerem Schinken.

Wir freuen uns sehr, dass Lilli und ihre Mama noch ein paar Tage hier bleiben. Vor allem jetzt, wo zum Glück auch unser Status geklärt ist und es zwischen uns so harmonisch und friedvoll läuft …

Eure Marlin

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